Faust (Goethe), Rolle: Gretchen



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Frankfurter Allgemeine, 6.11.06
...Irgendwann steht dann Gretchen vor der Tür. Johanna Marx gibt sie als schrille, sonnenbebrillte Kurzhaarblondine im schwarzen Bustier mit Strapsen, die nikotin-, wodka- und tablettensüchtig zugleich ist und mit tranigem Patos ihre Monologe singsangt. Später mutiert sie zur blondgezopften Grete, die Faust aus- und das Christbäumchen in Stücke peitscht, und gar zu einem Werwolf im langen Pelz, der den Männern, einem nach dem anderen, mit einem Löffel den Rest gibt. Doch nicht für ewig, sie wachen wieder auf, und lungern als abgetakelte Rock-Band herum. Gretchen aber deliriert ausgiebig, stopft sich Pralinen in den Schmollmund und hat irgendwann die Schnauze voll. Gerichtet? Gerettet? ...

Westfalenpost, 5.11.06
...alle Figuren stammen aus Fausts Kopf, sind Produkte seiner Schizophrenie. Das gilt auch für Gretchen, die im Bordsteinschwalben-outfit auftritt und ihre ersten Worte "Bin weder Fräulein, weder schön" desillusioniert wie eine alterde Prostituierte brummt. Später verwandelt sich die Schauspielerin Johanna Marx in ein blondzopfiges Heimatfilmklischee, das kindisch daher prustend Faust nach seinem Verhältnis zur Religion befragt...

WR, 7.11.06
..."Uns war bewusst, dass es auf diese Inszenierung heftige Reaktionen geben würde" sagte Johanna Marx auf Nachfrage der WAZ...."ich weiß nicht wie ich mich als Zuschauer gefühlt hätte, dafür stecke ich in dem Prozess der Inszenierung viel zu tief drin." Marx erlebte es zum ersten Mal, dass Zuschauer während einer Aufführung den Saal verließen. Glücklich ist sie damit selbstverständlich nicht, doch es sei eine interessante Erfahrung gewesen. Und: Wut und Protest auf eine Inszenierung seien ihr auf jeden Fall lieber als eine Gleichgültigkeit des Publikums. "Es ist gut, wenn ein Stück etwas auslöst."

RN, 20.11.06
...Weil nun Faust selbst aus Berlin angereist kam und die Bahn wie gewohnt Verspätung hatte, fing auch die gut besuchte Vorstellung mit Verzögerung an. Reichlich Zeit für Sauer, im Foyer kundzutun, was er ausgebrütet hatte. Auch die Schauspieler bekamen Wind davon. Hochspannung deshalb vor der Eierszene, die das gewitzte Gretchen (Johanna Marx) dazu nutzte, süffisant ins Publikum zu fragen, ob jemand ein Ei zum Werfen dabei hätte. Doch Sauer ließ die Eier stecken...